Miau, Miau

ein anonymer autor fragt bei der Wikipedia:Auskunft nach:

Hallo, weiß jemand von euch woher folgender Kanon ursprünglich kommt und was es mit dem Text genau auf sich hat?

„Miau, miau! Hörst du mich schreien? Miau, miau, ich will dich freien! Folgst du mir aus deinen Gemächern, Singen wir hoch auf den Dächern! Miau, komm, geliebte Katze, Miau, reich mir deine Tatze!“

–84.163.214.205 16:18, 8. Nov. 2007 (CET)

erste mutmassungen:

Also es geht definitiv um Katzen. (…)

–88.74.165.171 16:25, 8. Nov. 2007 (CET)

ein anderer autor meint:

Ich denke eher, es geht dabei um einen Mann, der um die Hand einer Frau anhält bzw. ihr eine Liebeserklärung macht.

* „Miau, miau! Hörst du mich schreien?“: Das Lyrische Ich hat Liebeskummer
* „Miau, miau, ich will dich freien!“: Auch seine Geliebte scheint nur noch an ihn zu denken (Die Gegenseitigkeit der Gefühle zeigt sich in der Motivwiederholung)

* „Folgst du mir aus den Gemächern,“: Angebot an die Geliebte, mit dem Lyrischen Ich zusammenzuleben
* „Singen wir hoch auf den Dächern!“: Glücksgefühle im Beisammensein; Zukunftsausblick (Fortsetzung der dritten Zeile => ebenso Motivwiederholung)

* „Miau, komm, geliebte Katze,“: Jetzt die Aufforderung, dem Lyrischen Ich zu folgen
* „Miau, reich mir deine Tatze!“: Hält um ihre Hand an (wie die fünfte Zeile eine Aussage zur Gegenwart => Motivwiederholung)

–Toffel 18:39, 8. Nov. 2007 (CET)

aber:

Lyrik ist Auslegungssache. Daher kann hier eine Übertragung auf den Menschen vorgenommen werden, muß es aber nicht. Es kann eben genauso gut um einen Kater und eine Katze gehen. –IP-Los 20:24, 8. Nov. 2007 (CET)

auftritt: der experte:
Das Gedicht zitiert anfangs das alte Motiv des exclusus amator: drinnen die Dame in den Gemächern, draußen der leidende Liebende (Schmerzensschreie!, wirkungsvoll unterstrichen durch Anadiplosis). Die Frage an die Geliebte ist natürlich rhetorisch zu verstehen; sie kann ihn ja gar nicht überhören (sonst bräche die fiktive Kommunikationssituation gleich zusammen); wohl aber kann sie taube Ohren vortäuschen – das Stereotyp der Unnahbaren. Anaphorisch nimmt der zweite Vers den ersten auf, doch die suggerierte Ähnlichkeit täuscht: Aus dem bettelnden lyrischen ich ist ein forderndes geworden, das klar zur Sache kommt: „ich will“. Das Männchen manifestiert seine Männlichkeit; wer will schon ein Weichei? Ob das „Freien“ ehrenwerte Absichten verkündet, sei zunächst dahingestellt. Die Gemächer des dritten Verses symbolisieren immerhin Sicherheit und Geborgenheit, gesellschafts- und normenkonformes Leben. Diese gilt es für das Weibchen, folgt sie dem Liebesruf, hinter sich zu lassen, ein beliebtes Motiv (nicht nur) der Romantik („Ach, flieh mit mir…“). Singen ist von alters her Ausdruck anarchischer Lebensfreude; man denke nur an die Fanchöre in den Stadien oder an Tina York: „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“. „Dächer“ werden metaphorisch zur Überhöhung der Realität, zur transzendentalen Erfahrung, die das Liebesglück verheißt. Die Schlussverse bedienen sich wieder der Anapher; dazu kommt ein Parallelismus, der den zwiefachen Imperativ „komm!“, „reich!“ unterstreicht: Der Liebende ist nun ganz der Befehlsgeber, dem sich die „Geliebte“ (Passiv!) unterordnen soll. Wie sieht es nun am Ende mit der politischen, potentiell revolutionären Botschaft des Gedichtes aus? Ziemlich m(i)au! Der anarchische Impetus degeneriert zur Affirmation überkommener Macho-Strukturen, der gesellschaftskritische Aufbruch wird zur Flucht ins Private. Die Revolution findet nicht statt! T.a.k. 21:16, 8. Nov. 2007 (CET)

dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen – ausser den weiteren strophen des liedes:

Meck,meck! Hörst du mich meckern?
Meck, meck, ich will dich bekleckern
Folgst du mir aus dem Stalle,
komm ich zu dir in die Falle
Meck, komm, geliebte Geiß,
Meck meck, ich mach dich heiß!

Muh, muh, hörst du mich muh’n?
Muh, muh, ich will’s mit dir tun!
Folgst du mir von der Weide
dann machen wir es beide.
Muh, komm, geliebte Kuh,
alles was ich will bist Du!

Schnatter, schnatter, hörst du mich schnattern?
schnatter, schnatter, ich will dich begattern.
Folgst du mir aus dem Koben,
dann lasst uns heftig toben.
Schnatter, schnatter, geliebte Gans
Schnatter schnatter und auf zum Tanz!

Grunz, grunz, hörst du mich grunzen
grunz, grunz, ich will dir an die Punz’n
Folgst du mir aus der Suhle
dann wirst du meine Buhle
Grunz, grunz, geliebte Bache
grunz, grunz, was ich dann mit dir mache.

Röhr, röhr, hörst du mich röhren?
Ich möchte dich verföhren!
Folgst du mir aus dem Walde,
dann machen wir es balde.
Röhr, röhr, geliebte Ricke,
röhr, röhr, wie ich dich ***.

Tanderadei, schrei ich von Sinnen,
Tanderadei, ich will dich beminnen,
Folgst du mir von der Zinne,
vergeh’n mir alle Sinne.
doch leider wird’s dann gar nich,
hilfst du mir nich aus’m Harnisch.

— Martin Vogel 03:21, 9. Nov. 2007 (CET)

fussnote: alle texte sind zitate von der Wikipedia:Auskunft vom 9. November 2007, hervorgehobenes von mir. die zitate stehen unter GFDL.

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