Frankfurt, Städel. Gärten. Ordnung, Inspiration, Glück


* einen besuch wert

im detail:
**einführung:leider in textform bis auf nette, aber etwas zusammenhanglose zitate an den wänden, keine. immerhin gibt es eine extra angefertigte installation aus lackierten metallblumen an der decke, die auch bis in den vorraum wuchern, wo man durch eine grasgrüne museumsshop-dependence eingestimmt wird.
**benutzerführung: deutliche wegweiser zu den beiden ausstellungsteilen, das weitere ergibt sich durch die ausstellungsarchitektur. jeder besucher bekommt einen kostenlosen minikatalog, der zwar wenig als führer taugt, dafür einen besonders cleveren saalplan enthält.
**aufstellung/hängung: grandios. grasgrüne einbauten an eingang und treppenhaus. die ausstellung selbst ist durch seitliche zotten und raumhohe kuben in zahlreiche kleinräume, durchgänge und nischen gegliedert. sichtlininen von zentralen punkten aus ermöglichen die focussierung auf einzelne werke. grundfarbe der wände ist leberbwurstgrau, von dem sich gelbe, blaue und grüne nischen auffällig absetzen.
**umfang:die ausstellung umfasst über 200 werke, zwei stunden ist man mindestend unterwegs.
**inhalte:leider nicht ganz klar. thema ist der garten als motiv, wobei damit der garten als eher privater, eingeschlossener raum gemeint ist. parks werden nicht oder nur am rande thematisiert. die ausstellung ist vage chronologisch organisiert, mit einer deutlichen lücke in der renaissance und dem paradiesgärtlein als einzigem vertreter des mittelalters. genauso fehlen moderne nach 1920 und gegenwartskunst (bis auf eine sehr ansprechende diaprojektion von fischli/weiss und die eingangs erwähnte metallblumeninstallation). leider findet keine thematische untergliederung innerhalb der ausstellung statt, so hätte es nahegelegen, die alten drucke des eichstätter florilegiums mit den zeichnungen merians, goethes‘, vielleicht auch denen von klee und beuys, jedenfalls aber mit den cynographien, salzdrucken und „naturselbstdrucken“ (nein, kartoffelstempel gehören nicht dazu) zusammenzubringen. ein andere gruppierung hätte das weibliche im garten zum thema nehmen können – intime szenen des lesens, handarbeitens oder lustwandelns im garten. eher morbide gartenthemen (friedhöfe, ein innenhof im stil einer „gothic novel“, ein tod mit gieskanne im gärtchen, ein tierfriedhof als scherenschnitt) böten sich ebenfalls an. dies alles leistet möglicherweise der katalog (noch nicht gelesen) – in der ausstellung selbst muss sich der besucher diese bezüge allerdings im kopf zusammensuchen, die hängung ermöglicht kaum erkenntnisse über eine aussage, die hinter dieser ausstellung stehen könnte.
dennoch lohnt ein besuch, weil hier exzellente werke bedeutender künstler gleich reihenweise, sowie einige nur selten zu bewundernde seltsamkeiten zu bewundern sind. ob es aber gar so vieler klees, beuys und liebermanns bedurft hat, von denen nur einzelne werke im zusammenhang wirklich aussagekräftig scheinen, bleibt fraglich. und auch die frage, ob man es goethes ungelenken naturstudien nicht besser hätte ersparen sollen, mit grandiosen noldes, schieles, monets & co in einem schau gezeigt zu werden, drängt sich dem betrachter geradezu auf. wenn dann noch gedörrte goethesche palmwedel ohne weitere kommentierung in einer vitrine lagern, ist die frankfurter goethehudelei mit dem städel in einer weise durchgegangen, wie es weimar nicht besser könnte.
**hintergründe: bleiben leider unbeackert.
**architektur:die ausstellung wird auf zwei ebenen im neubau des städel gezeigt. treppenhaus und deckendurchbruch sind schön in die ausstellungsarchitektur einbezogen.
**extras:
***kostenloser minikatalog mit saalplan und etwas schwurbeligen, eher beschreibend-interpretierenden texten zu den meisten gezeigten werken, gelegentlich findet sich auch tatsächlich und ad hoc nützliche information.
***beim zweiten besuch ermäßigt sich der eintritt (karte aufheben!)
***ermäßigter eintritt auch im palmengarten (karte sehr gut aufheben!)
**homepage: www.staedelmuseum.de/index.php?id=1276
**fazit:lohnt einen besuch, aber keine reise. die qualität der bilder spielt über konzeptuelle mängel hinweg.

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